Am letzten Sonntag im Mai war es endlich so weit. Früh morgens um 6 Uhr brachen Vlad und ich zu unserer Tour zum Bodensee auf. Bereits letztes Jahr hatte ich hier an einem Workshop von Highlighttours teilgenommen. Allerdings ist es ja oft so, dass man bei einem ersten Besuch mit den Bildern noch nicht so recht zufrieden ist. Ist man erst einmal daheim, fallen einem meist noch viele Dinge ein, die man natürlich besser, schöner oder einfach nur anders machen wollte.

Storch im Anflug ans Nest
Storch im Anflug

Nun also, ziemlich genau ein Jahr später war hier also die Gelegenheit zu einem zweiten Versuch. Die Anfahrt war jedenfalls schon mal bestens, denn um diese frühe Stunde hatten wir die Autobahn weitgehend für uns allein. So trafen wir denn auch um 8:30 Uhr als erste Besucher auf dem Parkplatz am Affenberg in Salem ein. Dort gibt es eine Menge Nistplätze und auch dieses Jahr sind die meisten Nester belegt. Locker 20 Paare. Nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr waren schnell die vielversprechenden Standorte ausgemacht und die Ausrüstung aufgebaut. Vlad und ich konnten also loslegen. Nur die Kooperation der Störche war noch notwendig und die machten eifrig mit. Es herrschte jedenfalls reger Flugbetrieb.

Wichtig ist auf jeden Fall der Sonnenstand. Störche haben sehr starke Kontraste (schwarze und na ja weisse Federn). Bei direktem Sonnenlicht hilft es daher, wenn man die Sonne im Rücken (oder im Gegenlicht hat). Bei Seitenlicht ist entweder die eine Seite des Vogels überstrahlt oder die andere versinkt im tiefen Schwarz. Manchmal auch beides. Bestimmte Aufnahmerichtungen sind daher am Vormittag, andere wiederum am Nachmittag vorteilhaft.

Ein weiterer Punkt: Die Nester sind auf den Hausdächern, in hohen Baumwipfeln und auf Nistplattformen auf hohen Masten errichtet. Um die Tiere einigermassen in gescheiter Perspektive abzulichten, benötigt man also einen gewissen Abstand und demzufolge längere Brennweiten. Nach unserer Erfahrung kann man ab ca. 400mm Brennweite an einer APS-C DSLR (also unter Berücksichtigung des Crop-Faktors ca. 600mm Kleinbild) schon mit einer guten Ausbeute rechnen. Für Aufnahmen am Nest reichen da auch recht "langsame" Objektive (sowohl was Lichtstärke als auch Autofokus angeht). Bei Aufnahmen während der Landung ist allerdings ein schnelleres Objektiv durchaus sinnvoll.

Außerdem ist es hilfreich, wenn man sich so postiert, dass man gleich mehrere Nester im Blick (und in Reichweite) hat. Das erhöht die Chancen auf gute Bilder ungemein. Schön ist es auch, wenn man da nicht allein antritt sondern sich im Team unterstützen kann. So konnten wir uns immer gegenseitig aufmerksam machen, wenn mal wieder etwas passierte.

Gegen Mittag haben wir dann erst mal eine ausgiebige Pause gemacht und haben dann noch das Tierfreigehege besucht. Auch wenn wir als Nicht-Fachleute keine Ahnung haben, schien uns die Unterbringung der Berberaffen in einem großen, dicht bewaldeten Gehege doch recht tierfreundlich. Hier konnte man sich den Tieren ohne Barrieren auf Armeslänge nähern. Zum Spass habe ich hier nur mein Lensbaby mitgenommen.

Berberaffe am Affenberg in Salem
Berberaffe

Am Nachmittag war dann noch einmal eine Session mit den Störchen dran. Immer noch reger Flugbetrieb, eine ganze Reihe von Aufnahmen bereits im Kasten, verführte dies natürlich zum Experimentieren. Bei gutem Licht musste halt die ISO Empfindlichkeit runter (ISO 100) und die Blende geschlossen werden (Blende 11 bis 13) um Belichtungszeiten zwischen 1/100s und 1/160s zu erzielen.

Was gilt es noch zu beachten? Auf jeden Fall ausreichend Speicherkarten mitnehmen. Manchmal passiert so viel, dass man sich mit der Auswahl nicht belastet. Zudem drückt man oft schon ab, in der Erwartung, dass gleich etwas passiert. Der Ausschuss ist dementsprechend hoch. Beim Workshop im letzten Jahr standen zwei Störche auf einem Hausdach und beäugten sich misstrauisch. Ganz plötzlich gingen sie unter wildem Flügelschlagen aufeinander los und es dauerte kaum eine Sekunde, da trat der Unterlegene schon den Rückzug an. Eine solche Chance möchte man sicher nicht verpassen, nur weil man gerade auf der vollen Speicherkarte aufräumen muss.

 

© 2008 Jürgen Herr