Ich muss gestehen, meine Einstellung zu diesem Buch über Landschaftsfotografie ist extrem ambivalent. Gerade wenn ich zum Schluss komme, das dieses Buch ziemlich viel Unfug enthält, stoße ich auf eine Stelle, die mich zum Nachdenken anregt und meine Meinung über das Buch schlagartig wieder verbessert. Man muss aber leider auch gestehen, dass der umgekehrte Fall auch recht häufig auftritt.

Kurz gesagt: Dieses Buch ist eine Achterbahnfahrt (allerdings nicht so nervenaufreibend).

Das Buch ist in 3 größere Bereiche gegliedert:

Jeder Abschnitt besteht wiederum aus einer Einführung durch den Autor (8 Seiten) einem Gallerie Workshop von etwa 30 Seiten und anschließender Kritik. Ehrlich gesagt: Die Einführung brachte mir meist am wenigsten. Eine Mischung von Erzählungen über den Weg des Autors zur Fotografie (na ja, wenig Bezug zu "Working the Light"), Reminiszenzen und Regeln an der Grenze zur Banalität. Ein Beispiel:

"Dawn has a special appeal because it is usually quieter than at other times of the day. Watching the sun rise over the landscape, and having that experience to yourself, feels like a privilege. At certain times of the year, too, the phenomenon of valley mist may be observed. The combination of the rising sun and mist is probably the most seductive of all lighting conditions."

Joe Cornish

Na ja, da möge sich jeder selbst seine Meinung drüber bilden. Auf der anderen enthält das Buch teilweise sehr schöne, interessante Bilder. Da diese Bilder im Rahmen von Workshops durch viele verschiedene Teilnehmer entstanden, zeigen sie auch eine erstaunliche Vielfalt. Die Bilder werden im Buch schön groß präsentiert und vom jeweiligen Autor des Abschnitts auch direkt kommentiert. Unter den Kommentaren finden sich dann immer wieder Perlen, die zum Nachdenken anregen. Ein Beispiel: "Intimate images typically work best without 'edge action' (visual distractions drawing the eye to the frame edges). Although the internal structure of the pictures may be dynamic, contained energy retains the intimacy of the composition, confirming the notion of a world within a world."

Im Kritikteil wird dann noch einmal auf Details und evtl. Schwächen der einzelnen Bilder eingegangen. Ein echter Aha-Effekt war für mich teilweise die Information zur benutzten Ausrüstung. Ein visueller Beweis, dass Pixelwahnsinn und neuste Technik keine Voraussetzung für gelungene Bilder sind.

Der zweite Abschnitt des Buches (Inhabited landscapes von Charlie Waite) hat mir im Großen und Ganzen eher besser gefallen. Allerdings setzte sich auch hier die Achterbahnfahrt fort. Ein Beispiel für einen echten Absturz:

"Many images that are shown to me are, in my view, printed too small. ... A finely executed image will 'work' at any size."

Das scheint mir denn doch ein echter Widerspruch zwischen Anfang und Ende des Abschnitts zu sein.

Der letzte Abschnitt (von David Ward) schien mir der "analytischste" und teilweise auch der konkreteste Teil des Buches zu sein. Zugleich enthält dieser Abschnitt auch die überzeugendsten Bilder. Die Konzentration auf Strukturen, Kontraste und graphische Elemente wurde mit teilweise tollen Bildern illustriert. Zudem erscheinen mir die Kommentare in diesem Teil des Buches auch deutlich treffender. Immer wieder schafft es der Autor, Grundprinzipien und generelle Überlegungen sinnvoll am konkreten Bild darzustellen.

 

Working The Land

A Landscape Photography Masterclass

Joe Cornish, Charlie Waite, David Ward, Eddie Ephraums

© 2009 Jürgen Herr